Facilitation ist Leadership: Was ein McKinsey Report und Facilitation gemeinsam haben

McKinsey nennt 6 Führungskompetenzen für das 21. Jahrhundert. Wer sie liest, erkennt: Das ist die Stellenbeschreibung eines guten Facilitators.

Autor: David Hefendehl

23.02.2026

Facilitation training in progress

McKinsey hat 21 leadership Skills identifiziert und fast alle haben etwas mit Facilitation gemeinsam

McKinsey hat sechs Führungskompetenzen identifiziert, die im 21. Jahrhundert über Erfolg entscheiden. Die Forschung stützt sich auf Hunderte Gespräche mit CEOs und Führungsteams weltweit. Das Ergebnis lautet: Positive Energie und Inspiration. Dienende Führung. Kontinuierliches Lernen mit Demut. Resilienz und Entschlossenheit. Levity. Und Stewardship.¹

Wer diese Liste liest und regelmäßig Workshops leitet, dem fällt sofort auf: Das ist eine präzise Beschreibung von Facilitation Führungskompetenz. Oder genauer: von dem, was ein guter Facilitator täglich übt.

Das ist kein Zufall. Die Kompetenzen, die McKinsey als KI-sicher einstuft, entstehen genau dann, wenn man regelmäßig unter echtem Druck Gruppen durch Entscheidungsprozesse führt. Kein Modell ersetzt das. Kein Seminar über Leadership-Konzepte auch.

Positive Energie: Workshops geben Energie oder nehmen sie

McKinsey beginnt mit dem, was viele unterschätzen: Positive Energie, Balance und die Fähigkeit, andere zu inspirieren. Führungskräfte, die selbst ausgebrannt sind, können nicht inspirieren. Gruppen ohne Energie treffen schlechte Entscheidungen.

Wer Workshops leitet, kennt das. Ein schlecht strukturierter Halbtag lässt alle erschöpfter zurück als vorher. Ein gut geführter lässt sie handlungsbereit. Der Unterschied liegt nicht im Thema. Er liegt in der Führung des Prozesses.

Energiemanagement ist ein unterschätztes Handwerk. Wann braucht die Gruppe Bewegung? Wann braucht sie Stille? Wann muss ich einen zu langen Diskussionsblock unterbrechen, damit alle wieder klar denken können? Diese Entscheidungen treffe ich als Facilitator dutzende Male pro Tag. Das ist Facilitation Führungskompetenz in einer ihrer direktesten Ausdrucksformen.

Servant Leadership: Nicht die lauteste Person im Raum gewinnt

McKinsey beschreibt den "servant and selfless leader" als jemanden, der nicht über eigene Leistung nachdenkt, sondern über die Leistung des Teams. Die beste Führungskraft ist nicht die mit den meisten Antworten, sondern die, die die besten Bedingungen für andere schafft.

Das ist buchstäblich die Grundhaltung eines Facilitators. Ich betrete keinen Workshop als Experte für das inhaltliche Problem. Ich bin der Experte für den Prozess. Die Antworten kommen vom Team. Meine Aufgabe ist es, die Struktur zu schaffen, in der sie auftauchen.

Wer das als Führungskraft verinnerlicht, führt anders. Nicht durch Autorität, sondern durch Prozessklarheit. Nicht "Ich sage, wo es langgeht", sondern "Ich sorge dafür, dass wir gemeinsam herausfinden, wo es langgeht." Das ist ein fundamentaler Unterschied. Und es ist trainierbar. McKinsey nennt das "servant and selfless leadership". Ich nenne das täglich meine Arbeit.

Levity und Entschlossenheit: Warum Humor kein Luxus ist

Laut McKinsey sind Führungskräfte mit Sinn für Humor 27% motivierender als andere. Teams mit solchen Führungskräften sind doppelt so kreativ. Gleichzeitig gilt: Unternehmen, in denen Führungskräfte konsequent Entscheidungen treffen und zu ihnen stehen, sind 4,2-mal häufiger gesund als ihre Wettbewerber.¹

Das klingt wie ein Widerspruch. In der Praxis sind es zwei Seiten derselben Medaille.

Ein Facilitator braucht beides gleichzeitig. Nach drei Stunden intensiver Diskussion wird der Raum schwer. Niemand denkt mehr klar. Dann ist es meine Aufgabe, Luft in den Raum zu bringen. Ein Witz zur richtigen Zeit ist kein Zeitverlust. Er löst Denkblockaden und gibt der Gruppe die Energie zurück, die sie für eine echte Entscheidung braucht.

Und dann kommt dieser Moment, in dem eine Entscheidung getroffen werden muss. Nicht "Wir schauen nächste Woche nochmal rein." Nicht "Klingt interessant, aber..." Ein Commitment einzelner Personen für konkrete nächste Schritte. Das ist kein Demokratieprozess. Das ist Führungsarbeit im Workshop.

Kontinuierliches Lernen: Neugier als Führungstechnik

McKinsey's "continuous learning and humble mindset" beschreibt Führungskräfte, die sich selbst nicht als die klügsten im Raum betrachten, die Fragen stellen statt Antworten zu geben, die ihre eigene Unsicherheit als Stärke einsetzen.

Ein Facilitator arbeitet in diesem Modus, ob er will oder nicht. Jeder Workshop ist anders. Jede Gruppe bringt neue Dynamiken, neue Konflikte, unerwartete Wendungen. Wer mit fertigen Antworten ankommt, verliert die Gruppe. Wer wirklich zuhört, was zwischen den Zeilen gesagt wird, wer im Raum dominiert und warum, welche Spannung noch nicht ausgesprochen wurde, bringt Ergebnisse heraus, die ohne diese Haltung nicht entstehen.

Ich habe nach hunderten von Workshops gelernt, dass die entscheidenden Momente nicht die sind, in denen ich etwas sage. Sondern die, in denen ich eine Frage stelle und dann schweige.

Stewardship: Den Raum stärker verlassen, als man ihn vorgefunden hat

McKinsey beschreibt "stewardship" als die Fähigkeit, langfristig zu denken und das Team stärker zu hinterlassen, als man es vorgefunden hat. Führungskräfte als Hüter, die auf den nächsten Schritt vorbereiten statt auf die eigene Unersetzbarkeit.

Das ist das Gegenteil von dem, was klassische Beratung oft produziert. Ein Facilitator ist dann gut, wenn das Team nach dem Workshop ohne ihn weiterarbeiten kann. Wenn die Entscheidungen beim Team liegen. Wenn die nächsten Schritte klar sind und einzelnen Personen gehören.

Dieser Anspruch gilt auch für das Training. Nach einer guten Ausbildung in Facilitation sollte ein Teamlead seine eigenen Meetings so führen können, dass etwas dabei herauskommt, ohne mich, ohne externe Unterstützung. Wer Facilitation Führungskompetenz wirklich vermittelt, macht sich überflüssig.

Facilitation Führungskompetenz ist trainierbar, aber nicht im Seminar

McKinsey ist in einem Punkt klar: Diese sechs Kompetenzen sind keine Persönlichkeitseigenschaften, die man hat oder nicht hat. Sie können entwickelt werden. Aber die wirkungsvollste Form des Lernens passiert nicht im Klassenzimmer, sondern in der Praxis, unter echten Bedingungen, mit echter Verantwortung.²

Das deckt sich mit dem, was ich in meiner eigenen Arbeit jeden Tag erlebe.

Was Facilitation Training von klassischen Leadership-Programmen unterscheidet: Es ist kein Seminar über Konzepte. Es ist Praxis unter echtem Druck. Du lernst Entscheidungsführung nicht durch ein Framework, sondern dadurch, dass Du in einem Workshop mit einer streitenden Gruppe sitzt und am Ende etwas herauskommt. Du lernst Levity nicht aus einem Buch, sondern dadurch, dass Du spürst, wie eine Stimmung kippt. Und weißt, was dagegen zu tun ist.

Was in einem solchen Training konkret passiert und wer davon profitiert, erkläre ich in meinem Artikel über das Facilitation Training Deutschland. Was Facilitation als Methode überhaupt ist, abgegrenzt von Moderation, Training und Beratung, beschreibe ich in meinem Artikel Was ist Facilitation.

Dein nächster Schritt

McKinsey beschreibt die Führungskompetenzen, die in der nächsten Dekade den Unterschied machen. Ich bringe Führungskräften und Teams bei, sie in der Praxis anzuwenden. Wenn Du verstehen willst, wie das für Dein Team aussehen kann, meld Dich.

Quellen

¹ Bob Sternfels, Daniel Pacthod, Kurt Strovink und Wyman Howard: "The art of 21st-century leadership: From succession planning to building a leadership factory", McKinsey, Oktober 2024 — mckinsey.com

² Bob Sternfels, Daniel Pacthod und David H. Berger: "Scaling the 21st-century leadership factory", McKinsey, Juli 2025 — mckinsey.com